Was ab Juni 2026 auf Sie zukommt.
Ab dann dürfen Mitarbeitende verlangen zu erfahren, ob sie fair bezahlt werden — und im Streitfall müssen Sie es belegen, nicht der Mitarbeiter. Das gilt für alle Arbeitgeber, auch unter 100 Mitarbeitern. Hier steht, was das für Sie bedeutet — ohne Juristendeutsch.
Countdown
nur noch 4 Tage
bis zur Umsetzungsfrist der Richtlinie (EU) 2023/970
100% der Frist verstrichen
Worum geht es — und warum betrifft es Sie?
Die Richtlinie (EU) 2023/970 verpflichtet Arbeitgeber in der gesamten EU, ihre Gehaltsstrukturen transparent zu machen. Ziel: Gleiche Bezahlung für gleiche oder gleichwertige Arbeit, unabhängig vom Geschlecht.
Das klingt nach einem Grundsatz, der längst gelten sollte. In der Praxis zeigt sich aber: Der Gender Pay Gap in Deutschland liegt bei 18% (Statistisches Bundesamt, 2024). Auch der bereinigte Gap — also nach Abzug struktureller Unterschiede — liegt bei 6%.
Die Richtlinie will das ändern, indem sie Transparenz erzwingt. Nicht als Empfehlung, sondern als Pflicht. Mit Berichtspflichten, Auskunftsrechten und Sanktionen.
Die drei Säulen der Richtlinie
Transparenz vor der Einstellung
Gehaltsangaben in Stellenanzeigen. Kein Fragen nach dem Vorgehalt.
Transparenz im Arbeitsverhältnis
Auskunftsrecht für Mitarbeiter. Gender-Pay-Gap Berichtspflicht.
Durchsetzung
Beweislastumkehr. Entschädigungsansprüche. Bußgelder bei Verstoß.
Zeitplan.
Richtlinie 2023/970 in Kraft getreten
Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union. Mitgliedstaaten haben drei Jahre zur Umsetzung.
Umsetzungsfrist für Mitgliedstaaten
Bis zum 7. Juni 2026 muss die Richtlinie in nationales Recht umgesetzt sein. Deutschland arbeitet am Entgelttransparenzgesetz 2.0.
Erster Berichtszeitraum (ab 150 MA)
Unternehmen mit 150+ Mitarbeitern legen ihren ersten Gender-Pay-Gap-Bericht vor: 250+ jährlich, 150–249 alle drei Jahre.
Erster Berichtszeitraum (100-149 MA)
Unternehmen mit 100–149 Mitarbeitern müssen erstmals berichten. Danach alle drei Jahre.
Wer ist betroffen?
Grundsätzlich alle Arbeitgeber in der EU. Die Berichtspflicht hängt von der Unternehmensgröße ab.
| Größe | Pflichten | Berichtszyklus | Erster Bericht |
|---|---|---|---|
| 1 - 99 Mitarbeiter | Entgelttransparenz bei Einstellung + Auskunftsrecht | Keine regelmäßige Berichtspflicht | Ab Umsetzung (Juni 2026) |
| 100 - 149 Mitarbeiter | Alle Pflichten inkl. Berichterstattung | Alle 3 Jahre | Erster Bericht: Juni 2031 |
| 150 - 249 Mitarbeiter | Alle Pflichten inkl. Berichterstattung | Alle 3 Jahre | Erster Bericht: Juni 2027 |
| 250+ Mitarbeiter | Alle Pflichten inkl. Berichterstattung | Jährlich | Erster Bericht: Juni 2027 |
Was müssen Unternehmen konkret tun?
Die wichtigsten Anforderungen der Richtlinie — und was sie praktisch bedeuten.
Entgelttransparenz bei der Einstellung
Art. 5Stellenausschreibungen müssen Gehaltsangaben oder Gehaltsspannen enthalten. Arbeitgeber dürfen Bewerber nicht nach ihrem aktuellen Gehalt fragen.
Praktische Auswirkung
HR-Abteilungen müssen Gehaltsbänder für jede offene Stelle definieren und in Stellenanzeigen veröffentlichen.
Auskunftsrecht für Beschäftigte
Art. 7Arbeitnehmer haben das Recht, die durchschnittliche Vergütung ihrer Vergleichsgruppe zu erfahren — aufgeschlüsselt nach Geschlecht.
Praktische Auswirkung
Unternehmen brauchen ein System, das diese Daten auf Anfrage bereitstellen kann. Frist: 2 Monate nach Anfrage.
Gender-Pay-Gap Berichterstattung
Art. 9Unternehmen müssen den Gender Pay Gap nach verschiedenen Kriterien berechnen und veröffentlichen: Median, Durchschnitt, nach Entgeltgruppen.
Praktische Auswirkung
Automatisierte Berechnung und Berichterstellung wird notwendig. Manuelle Excel-Berechnungen skalieren nicht.
Gemeinsame Entgeltbewertung
Art. 10Liegt der Pay Gap bei 5% oder mehr und kann nicht durch objektive Faktoren erklärt werden, muss eine gemeinsame Bewertung mit Arbeitnehmervertretern durchgeführt werden.
Praktische Auswirkung
Unternehmen müssen nicht nur den Gap berechnen, sondern auch dokumentieren, welche Faktoren ihn erklären — oder Maßnahmen einleiten.
Recht auf Entschädigung
Art. 16Arbeitnehmer, die aufgrund von Entgeltdiskriminierung benachteiligt wurden, haben Anspruch auf vollständige Entschädigung — einschließlich Nachzahlung und Schadensersatz.
Praktische Auswirkung
Die Beweislast liegt beim Arbeitgeber. Wer keine saubere Dokumentation hat, steht vor Gericht schlecht da.
Sanktionen
Art. 23Mitgliedstaaten müssen wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Sanktionen festlegen. Dazu gehören Geldstrafen.
Praktische Auswirkung
Die genauen Bußgelder werden im nationalen Gesetz geregelt. Erfahrungsgemäß orientieren sie sich an der Unternehmensgröße.
Wie KlarGehalt dabei hilft.
Jede Anforderung der Richtlinie ist ein Modul in KlarGehalt.
Anforderung
Gehaltsangaben in Stellenanzeigen
Gehaltsbänder pro Job-Profil definieren und als Vorlage für Stellenanzeigen exportieren.
Anforderung
Auskunftsrecht der Mitarbeiter
HR-geführter Auskunftsprozess mit protokollierten Anfragen und Antworten.
Anforderung
Gender-Pay-Gap Berechnung
Automatische Median- und Durchschnittsberechnung nach Geschlecht und Job-Profil.
Anforderung
Berichterstattung
PDF-Berichte für Behörden und Prüfer auf Knopfdruck generieren.
Anforderung
Gemeinsame Entgeltbewertung
Abweichungen ab 5% werden automatisch markiert. Dokumentation der Erklärungsfaktoren.
Anforderung
Nachweispflicht
Lückenloser Audit-Trail. Jede Änderung, jeder Zugriff — beweissicher dokumentiert.